Dachdecker-Innung im Gespräch mit Kerstin Radomski MdB

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Je zwei Frauen und Männer sitzen an einem Konferenztisch und diskutieren

Zu einem intensiven Austausch über die aktuelle Situation des Handwerks trafen sich die Bundestagsabgeordnete für Krefeld, Kerstin Radomski MdB, gemeinsam mit Hanna Farkasvölgyi aus Ungarn – Stipendiatin des Internationalen Parlaments-Stipendiums des Deutschen Bundestages – mit Vertretern der Dachdecker-Innung Krefeld.
 
Gastgeber des Gesprächs waren Obermeister Andreas Pavel sowie der stellvertretende Obermeister Jörg Schmidt. Im Mittelpunkt des Treffens standen die wirtschaftlichen Herausforderungen des Handwerks, politische Rahmenbedingungen sowie die Erwartungen der Betriebe an die Bundesregierung.
 
Kerstin Radomski schilderte die angespannte Haushaltslage und machte deutlich, dass der finanzielle Spielraum der öffentlichen Hand in den kommenden Jahren erheblich eingeschränkt bleibe. „Wir müssen den Mut haben, Prioritäten zu setzen und klar definieren, was echte Staatsaufgaben sind“, sagte sie. Zugleich verwies sie darauf, dass das demokratische Parteiensystem ein zentrales Gut sei, auch wenn das Ringen um die besten Lösungen Zeit brauche. Darüber hinaus sprach sich Radomski für die Beibehaltung des Ehegattensplittings als bewährtes familienpolitisches Instrument aus.
 
Die Vertreter des Dachdeckerhandwerks sprachen offen über die Sorgen vieler Betriebe. Die Unsicherheit nehme spürbar zu, wodurch auch der Unmut innerhalb der Wirtschaft wachse. Aus Sicht der Innung brauche es wieder klare politische Entscheidungen und verlässliche Rahmenbedingungen. „Das Handwerk hat zunehmend das Gefühl, dass keine echten Entscheidungen mehr getroffen werden“, so die Vertreter der Innung.
 
Ein weiteres wichtiges Thema war die Situation von Frauen im Handwerk sowie die Gewinnung von Nachwuchskräften. Die Betriebe suchen weiterhin dringend Auszubildende. Gute Erfahrungen gebe es insbesondere durch Schulkooperationen und Praktika, über die junge Menschen erfolgreich an das Handwerk herangeführt werden könnten.
 
Die wirtschaftliche Lage im Dachdeckerhandwerk wurde als „gemischt“ beschrieben. Während einzelne Betriebe noch gut ausgelastet seien, kämpften andere zunehmend mit hohen Materialpreisen und Lieferengpässen, so Jörg Schmidt. Teilweise müssten Aufträge sogar abgelehnt werden, weil Materialien entweder zu teuer oder kurzfristig nicht verfügbar seien. Da es sich im Dachdeckerhandwerk überwiegend um kleine und mittelständische Betriebe handele, fehle häufig die notwendige Lagerfläche, um Materialien langfristig vorzuhalten.
 
Obermeister Andreas Pavel machte zudem auf die steigenden Belastungen für Betriebe aufmerksam. Die hohen Lohnnebenkosten in Deutschland würden letztlich an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Viele Leistungen seien dadurch für Verbraucher kaum noch bezahlbar. Die Vertreter des Handwerks thematisierten zudem die Frage der Arbeitsanreize: Immer häufiger blieben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt fern, da Sozialleistungen teilweise attraktiver erschienen als eine Beschäftigung.
 
Trotz aller Herausforderungen machte die Dachdecker-Innung deutlich, dass das Handwerk grundsätzlich bereit sei, notwendige Reformen mitzutragen – auch wenn diese schmerzhaft sein könnten. Entscheidend sei jedoch, dass die Politik wieder verlässliche Perspektiven schaffe und den Mittelstand stärker in den Fokus nehme. Kerstin Radomski sicherte zu, die angesprochenen Themen und Sorgen der Betriebe mit nach Berlin zu nehmen und in ihre politische Arbeit einfließen zu lassen.