Wichtiges Signal für das regionale Handwerk

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Zwei Bauarbeiter mit roten und gelben Schutzhelmen tragen frischen Mörtel auf gestapelte Ziegel auf einer Baustelle auf. Einer verwendet eine Kelle während der andere aufmerksam zuschaut.

Die Kreishandwerkerschaft Niederrhein begrüßt die Entscheidung des Viersener Kreistages zum nachhaltigen und wirtschaftlichen Bauen. „Das ist ein sehr sinnvoller Schritt, um das Handwerk in der Region weiter nach vorne zu bringen“, sagen Vize-Kreishandwerksmeister Christoph Roemer und Hauptgeschäftsführer Thomas Gütgens.
 
Der Kreistag hat am Donnerstag (26.03.26) entschieden, dass künftige eigene Bauprojekte weiterhin nachhaltig geplant werden, aber wirtschaftlich tragbar sein müssen. Damit gilt die Verpflichtung zur zirkulären Bauweise vor dem Hintergrund der Haushaltslage nicht mehr automatisch.
 
Gleichzeitig hat der Kreistag beschlossen, bei Ausschreibungen künftig auf zwingende teure Zertifizierungen zu verzichten, wenn die Nachhaltigkeitsziele auch durch anerkannte technische Standards oder Leistungsnachweise erreicht werden können. „Das ist ein wichtiges Signal für die lokalen und regionalen Handwerksbetriebe, die den Zertifizierungsaufwand häufig nicht stemmen können“, erklärt Hauptgeschäftsführer Thomas Gütgens.
 
Dass dieser Aufwand nicht nur ein finanzieller ist, verdeutlicht der stellvertretende Kreishandwerksmeister Christoph Roemer, selbst Maurermeister und Chef eines Bauunternehmens: „Für viele Betriebe liegt die eigentliche Herausforderung bei Zertifizierungen nicht allein in den Gebühren, sondern im zusätzlichen bürokratischen Aufwand.“ Detaillierte Nachweise, Abstimmungen mit Auditoren sowie zusätzliche Prüfprozesse binden Zeit und Personal, das im operativen Geschäft fehle. „Gerade kleinere und mittlere Handwerksbetriebe stoßen hier an ihre Grenzen – nicht aus Mangel an fachlicher Qualität, sondern aufgrund begrenzter personeller und organisatorischer Ressourcen“, sagt Roemer.
 
Tatsächlich könnten viele der geforderten Kriterien auch ohne formale Zertifizierung erfüllt werden. „Nachhaltige Bauweise entsteht in der Praxis durch gute Planung, hochwertige Ausführung und den Einsatz bewährter technischer Standards – nicht zwingend durch ein Zertifikat“, betont die Kreishandwerkerschaft. Der vom Kreistag beschlossene technologieoffenen Ansatz eröffne Betrieben mehr Spielraum für innovative, nachhaltige und zugleich wirtschaftliche Lösungen.
 
„Wir sehen in der Entscheidung des Kreistages einen ausgewogenen Ansatz, der Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und die Stärkung regionaler Betriebe miteinander verbindet“, fassen Gütgens und Roemer zusammen.