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100 Jahre Gebäudereiniger-Innung: Vom klassischen Reinigungsbetrieb zum spezialisierten Gebäudedienstleister

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Eine Frau und ein Mann stehen in einem hellen Innenraum vor einer Wand mit dem Logo des Gebäudereinigungsunternehmens Ludwigs und lächeln in die Kamera. Zwischen ihnen befindet sich eine professionelle Reinigungsmaschine für das Gebäudereiniger Handwerk und davor ein runder Reinigungsroboter.

Seit 100 Jahren vertritt die Gebäudereiniger-Innung Mittlerer Niederrhein die Interessen ihres Handwerks in der Region. Die Branche verändert sich derzeit stark: Roboter übernehmen zunehmend Aufgaben, die Betriebe spezialisieren sich. Ausgebildete Fachkräfte sind gefragt.
 
Im Herbst 1926 legten 14 Glas- und Gebäudereinigungsunternehmen den Grundstein für die heutige Gebäudereiniger-Innung Mittlerer Niederrhein. Sie gründeten in Krefeld die „freie Innung für das Glasreinigungsgewerbe“. Heute ist die Innung für den Kreis Viersen, Krefeld und Mönchengladbach zuständig. Rund 40 Fachbetriebe gehören ihr an – vom kleinen Spezialunternehmen bis zum großen Dienstleister mit vielen hundert Mitarbeitenden.
 
Die Branche steht vor großen Herausforderungen. „Unser Gebäudereiniger-Handwerk ist so viel mehr als das, was gemeinhin unter ,Putzen‘ verstanden wird“, sagt Nadine Ludwigs (44). „Ohne uns öffnet morgens keine Schule, finden keine Operationen im Krankenhaus statt und werden keine sensiblen Lebensmittel produziert, denn wir sorgen für die Hygiene und Desinfektion“, fügt die Obermeisterin der Gebäudereiniger-Innung Mittlerer Niederrhein hinzu.
 
Noch ist die sogenannte Unterhaltsreinigung in Unternehmen, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie öffentlichen Gebäuden das Kerngeschäft vieler Betriebe. Ihr Anteil dürfte künftig jedoch kleiner werden. Ein Grund ist die Automatisierung. Reinigungsroboter können bereits größere Bodenflächen selbstständig bearbeiten. Im Alltag eines betreuten Objekts stoßen sie allerdings noch schnell an Grenzen. Automatisch schließende Türanlagen, Feuerschutztüren, wechselnde Bodenbeläge, Menschen und andere Hindernisse machen ihren Einsatz aufwendig. Auf die Frage, wo die Roboter heute stehen, gibt Nadine Ludwigs daher eine durchaus ironisch gemeinte Antwort: „Im Moment stehen sie hin und wieder noch im Weg.“
 
Allerdings geht die Innungs-Chefin davon aus, dass sich das schnell ändert. In zehn Jahren dürfte der Einsatz von Reinigungsrobotern der Standard in der modernen Gebäudereinigung sein. Nadine Ludwigs: „Wer als Unternehmen in unserer Branche da nicht mitmacht, wird irgendwann ein Problem haben.“ Die mechanisch-elektronischen Helfer werden vor allem wiederkehrende Routine-Arbeiten erledigen. Für die Beschäftigten der Fachbetriebe verschiebt sich damit das Anforderungsprofil: Technik muss eingerichtet und überwacht werden, während komplexe und spezialisierte Arbeiten Fachwissen und Erfahrung erfordern.
 
Die Innungsfachbetriebe reagieren bereits darauf – und spezialisieren sich zunehmend auf bestimmte Tätigkeitsbereiche. Beispiele sind die Reinigung von Fassaden und Photovoltaikanlagen, die professionelle Graffiti-Entfernung oder die Reinigung und Aufbereitung von Sand auf Spielplätzen. „Für unsere Fachbetriebe geht es darum, die passenden Nischen für das eigene Geschäft zu finden“, sagt Thomas Gütgens, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Andere Betriebe schlagen den umgekehrten Weg ein und entwickeln sich zu Komplettanbietern. Hausmeister- und Winterdienste, Grünpflege oder Sicherheitsleistungen ergänzen die klassische Gebäudereinigung – teilweise reicht das Angebot bis zur Immobilienverwaltung, so Gütgens.
 
Trotz Automatisierung bleibt die Gebäudereinigung mit fast 700.000 Mitarbeitenden deutschlandweit das beschäftigungsstärkste Handwerk. Mehr als jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Handwerksbeschäftigte arbeitet im Gebäudereiniger-Handwerk. „Deshalb trifft jede Steigerung der Personalnebenkosten unsere Betriebe sehr“, erklärt Nadine Ludwigs. Angesichts der heutigen und künftigen Anforderungen brauche es qualifizierte Fachkräfte, spezielle Maschinen und Kenntnisse über Materialien und Verfahren. Die duale Ausbildung zum Gebäudereiniger beziehungsweise zur Gebäudereinigerin dauert drei Jahre. Nadine Ludwigs: „Unsere ausgebildeten Fachkräfte sind unfassbar gefragt. Ein guter Geselle oder Gesellin hat morgen 30 Stellenangebote. Gebäudereinigern steht die Welt offen.“
 
Info: Die Besten des Jahrgangs
messen sich im Krefelder Zoo

Wie anspruchsvoll das Gebäudereiniger-Handwerk ist, zeigt sich am Samstag, 26. September, im Zoo Krefeld. Dort findet – erstmals in Krefeld – der NRW-Landeswettbewerb im Rahmen der Deutschen Meisterschaft im Gebäudereiniger-Handwerk statt. Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens richtet die Gebäudereiniger-Innung Mittlerer Niederrhein den Wettbewerb im Jubiläumsjahr aus.
 
Fünf Nachwuchskräfte aus unterschiedlichen Handwerkskammerbezirken sind für den Wettbewerb nominiert. Voraussetzung für die Teilnahme sind unter anderem gute Leistungen in der praktischen Gesellen- beziehungsweise Abschlussprüfung. Im Zoo müssen die Teilnehmenden einen Vormittag lang vier anspruchsvolle praktische Aufgaben bewältigen: die Grundreinigung einer Glasfläche und zweier Eingänge, das Reinigen und Hydrophobieren einer Betonwerksteinfläche im Gastrobereich, die Fassadenreinigung an einer Sanitäranlage sowie die Reinigung und Politur eines Terrazzotreppenhauses. Dabei werden auch Arbeitssicherheit, Umweltschutz und der fachgerechte Umgang mit Materialien berücksichtigt.
 
Der Landesleistungswettbewerb soll herausragende Nachwuchskräfte fördern und zugleich zeigen, welche fachlichen Anforderungen eine qualifizierte Ausbildung im Gebäudereiniger-Handwerk heute stellt. Der oder die Erstplatzierte nimmt anschließend am Bundeswettbewerb in Frankfurt am Main teil.
 
Nadine Ludwigs
Seit rund sechs Jahren steht Nadine Ludwigs an der Spitze der Gebäudereiniger-Innung Mittlerer Niederrhein mit rund 40 Mitgliedsbetrieben im Kreis Viersen, Krefeld und Mönchengladbach. Bei ihrer ersten Wahl war sie die einzige aktive Innungs-Chefin in ihrem Handwerk in ganz Deutschland. Die Wirtschaftsingenieurin setzt sich auf mehreren Ebenen ehrenamtlich für ihr Handwerk ein: Sie ist Delegierte zum Landes- und zum Bundesverband NRW, gehört der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf an und ist stellvertretende Kreishandwerksmeisterin der Kreishandwerkerschaft Niederrhein.
 
Die 44-Jährige leitet als Geschäftsführerin das von ihren Eltern Werner und Rosella Ludwigs gegründete Gebäudereinigungsunternehmen in Viersen mit rund 400 Mitarbeitern. Mit ihrem Lebensgefährten Markus Wolf und den beiden Kindern Charlotte und Emil lebt sie in Nettetal.