Seite: Presse
https://www.kh-niederrhein.de/presse/presse-detail.html
Handwerk bleibt attraktiv für junge Menschen >
< Seit Corona besonders viel zu tun

Wetterfeste Jungmeister mit Ausdauer



Mit einem 100 qm großen Riesentransparent am Kammergebäude in Düsseldorf beglückwünschten die Handwerkskammer und prominente Gratulanten die Jungmeister.

03.03.2021

Führungskräftenachwuchs im Handwerk erhielt Meisterbriefe


Die Kreise Neuss und Viersen gehören zu denen, die beim aktuellen Meisterjahrgang im Bereich der Handwerkskammer Düsseldorf besonders hervorstechen: 55 neue Handwerksmeisterinnen und -meister kommen aus dem Rhein-Kreis, 54 aus dem Kreis Viersen. 29 Frauen und Männer aus Krefeld haben ebenfalls die Meisterprüfung absolviert.

Somit leben 138 der insgesamt 786 neuen Nachwuchs-Führungskräfte an Rhein, Ruhr und Wupper im Einzugsbereich der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Die ersehnten Meisterbriefe wurden ihnen nicht im Rahmen einer großen Festveranstaltung persönlich überreicht – statt einer Meisterfeier gab es Meisterpakete. Die fortdauernde Pandemie zwang die Handwerkskammer Düsseldorf, ihre 786 erfolgreichen Prüfungsteilnehmer des vergangenen Jahres ausnahmsweise auf dem Versandweg mit den Großurkunden zu versorgen – als Bestandteil eines großen „Meisterpakets“, bestückt mit einem Jahrgangs-Booklet, einer Powerbank für Smartphone oder Tabletcomputer und weiteren wertigen Aufmerksamkeiten. Spitzenrepräsentanten des öffentlichen Lebens gratulierten per Video.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verband seinen Glückwunsch an die Adresse der aktuellen Absolventen mit einer besonderen Respektbekundung: „Sie haben Ihre Prüfungsleistung unter schwierigen Umständen erzielt und deshalb allen Grund zu großem Stolz. Ihr Meistertitel ist nun das Prädikat ihrer hervorragenden fachlichen Fähigkeiten. Sie sind ein wirkliches Vorbild an Leistungsbereitschaft für viele andere!“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier pries den „ausgeprägten Qualifizierungswillen, das Durchhaltevermögen und die Leistungsstärke“ der Jungmeisterinnen und -meister, „erworbenes Wissen und Fertigkeit auch unter widrigen Bedingungen erfolgreich abzurufen. Sie haben sich in vorher ungeahnter Weise zu behaupten und bewähren vermocht und beispiellose Wetterfestigkeit bewiesen“, sagte Altmaier. Er rief die Jungmeister auf, ihre nachgewiesene Befähigung zur Unternehmensführung und Nachwuchs-Ausbildung „jetzt auch aktiv am Markt als Unternehmensgründer oder -nachfolger auszuprobieren“. Auch Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher ermutigte die Jungmeisterinnen und -Meister, ihre Leidenschaft zu leben „und mit Ihrer Kompetenz Ihren Beruf und die Zukunft des Handwerks zu prägen. Sie sind eine solch wichtige Stütze unserer Gesellschaft, Wirtschaft, der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes!“

28 Handwerksberufe vom Augenoptiker bis zum Zahntechniker dürfen sich in diesem Jahr über Führungs-Nachwuchs freuen. Die Meisteraspiranten mussten dabei corona-bedingt ein gerüttelt Maß an zusätzlicher Flexibilität aufbieten: Lehrgangs- und Prüfungstermine waren aufgrund der Lockdowns zum Teil wiederholt und kurzfristig verschoben, Unterrichtseinheiten in BWL, Berufspädagogik und Fachtheorie und die Lerngruppenbetreuung im Zeitraffer auf Online-Lernen umgestellt worden. Außerdem mussten die angehenden Meister manche Ungewissheiten über das weitere Kursgeschehen aushalten und einen erhöhten Selbstlernaufwand betreiben. Die Akademie der HWK als Träger der Meisterschulen war ihrerseits zu einer Dauer-Anpassungsleistung an sich permanent ändernde Umstände gezwungen. Unter dem Strich steht jedoch als Fazit, dass es gelang, den Unterrichts- und Prüfungsbetrieb organisatorisch und lerndidaktisch in voller Breite und in den vorgesehenen Zeitkorridoren aufrechtzuerhalten.

Die Zusatzbelastung konnten verständlicherweise dennoch nicht alle Kursteilnehmer durchhalten. „Umso höher ist jeder einzelne Prüfungserfolg einzuschätzen. Ich verneige mich in tiefem Respekt vor fast achthundert Handwerkerinnen und Handwerkern, die sich in diesem Ausnahmejahr zur Meisterfortbildung entschlossen, diese durchgestanden und erfolgreich abgeschlossen haben. Jeder von Ihnen zählt doppelt“, sagte der Präsident der Handwerkskammer, Andreas Ehlert. In seiner Gratulationsbotschaft fand er Worte höchster Wertschätzung für das Leistungsvermögen der Absolventen. „Sie haben ein großartiges Beispiel dafür gegeben, dass Sie Ziele beharrlich verfolgen, auch wenn einem der Wind einmal ins Gesicht bläst. Sie und Ihren Mut zur Verantwortung braucht das Handwerk, braucht auch die ganze Gesellschaft gerade jetzt als Vorbild in der Krise und als Aktivator für die kommende Zeit der Rekonvaleszenz: ob als Führungskräfte, als Unternehmerinnen und Unternehmer, als sozial engagierte Arbeitgeber oder als Ausbilder. Lassen Sie sich auch künftig von nichts entmutigen. Setzen Sie auf das, was Sie können und was Sie ausmacht! Bleiben Sie wild!“

Unternehmerische Verantwortung streben viele der neuen Meister an. Nach jährlich wiederholten Umfragen der HWK Düsseldorf unter den jeweiligen Fortbildungsabsolventen in ihrem Bezirk plant stets mehr als jeder zweite Befragte, seine Geschäftsidee in beruflicher Unabhängigkeit verwirklichen zu wollen.

Und welche Handwerksberufe sind besonders attraktiv für die Meisterqualifikation? Hier hat sich nicht viel geändert: So hat sich das berufliche Traumziel „Meister im Kraftfahrzeughandwerk“ ungeachtet des derzeitigen Strukturwandels im Automobilsektor unverändert als „der“ Top-Meisterberuf des Handwerks behauptet. Die Werkstattunternehmen an Rhein, Ruhr und Wupper dürfen auf 171 neue top-qualifizierte Führungskräfte zurückgreifen.

Zweitgrößter Meisterberuf mit 102 Absolventen ist das Friseurgewerbe – allerdings mit deutlichem Abstand zum Jahr davor, als noch 143 Handwerkerinnen und Handwerker die Aufstiegsfortbildung in dem Kreativberuf mit Kamm und Schere durchliefen. In der zahlenmäßig stets stark vertretenen Branchengruppe der Metall- und Elektro-Handwerke haben die Installateure und Heizungsbauer (76) diesmal den Elektrotechnikern (47) beim Führungskraft-Nachwuchs klar den Rang abgelaufen.

Als größter Meisterberuf unter den Gesundheitsbranchen des Wirtschaftsbereichs haben sich die Augenoptiker (74) behauptet; ihre Gruppengröße ist gegenüber dem Vorjahr (72) sogar gewachsen. Das Gleiche gilt für den wichtigsten Ausbildungsberuf in den gebäudenahen Branchen: Das Maler- und Lackierer-Handwerk darf sich auf 68 neue Meisterinnen und Meister für die kommende Generation an der Firmenspitze freuen (2019: 57 Absolventen) und die Dachdecker auf 47 (27).

Unverändert strahlt der Meistertitel auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus. 56 Jungmeisterinnen und -Meister besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit; der Anteil an internationalen Absolventen liegt wie im Vorjahr bei 7 Prozent. Erstmals hat ein Staatsbürger aus dem fernöstlichen Laos Fertigkeiten und Wissen auf Meisterniveau nachgewiesen - im Landmaschinenbauerhandwerk. Auf Vorjahresniveau verharrt auch der Anteil an Meisterabsolventen weiblichen Geschlechts: 179 Handwerkerinnen bestanden die Prüfung; das entspricht einer Meisterinnen-„Quote“ von 23 Prozent.

Mehr über den aktuellen Meisterjahrgang und viele Fotos finden sich auf der speziellen Landingpage www.hwk-duesseldorf.de/meister2020