Statement von ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer zur Wiedereinführung der Meisterpflicht

30.07.2018

„Die mit der Novelle der Handwerksordnung verbundene Hoffnung, durch die Abschaffung der Meisterpflicht mehr Fachkräfte zu bekommen, hat sich nicht erfüllt.


Im Gegenteil: Es wurden und es werden weniger. Darunter leiden auch die Kunden handwerklicher Produkte und Dienstleistungen. Die inzwischen langen Wartezeiten auf Handwerker geben einen Vorgeschmack darauf, was uns blüht, wenn wir nicht wieder mehr Fachkräfte gewinnen. Die Abschaffung der Meisterpflicht jedenfalls – das lässt die Entwicklung der vergangenen Jahre sehr deutlich werden  – war wahrlich kein Beitrag, um mehr und qualifizierte Fachkräfte zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund begrüßen wir Initiativen, die die Meisterqualifikation und den Meistertitel als Qualitäts- und Qualifizierungsausweis wieder stärken wollen. Dabei geht es darum, die damalige Entscheidung in ihren Auswirkungen zu überprüfen und dort zu korrigieren, wo Fehlentwicklungen offensichtlich sind. Die Korrektur solcher Fehlentwicklungen wird Aufgabe der Politik sein.

Wir stellen fest, dass die Ausbildungszahlen zum Teil drastisch zurückgegangen sind, und es zudem auch einen deutlichen Rückgang an Meisterprüfungen gegeben hat. Wenn es immer weniger Meister gibt, ist die Weitergabe von Wissen und qualifizierter Ausbildung gefährdet, teils findet sie bereits heute nicht mehr statt. Damit wird eine Dequalifizierungsspirale in Gang gesetzt, die alles andere ist als das, was gegenwärtig gebraucht wird. Hier muss gegengesteuert werden.

Viele Solo-Selbstständige verschwinden schnell wieder vom Markt, im Bereich Bau- und Ausbau oft schon innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungsfrist, was im Sinne des Verbraucherschutzes durchaus bedenklich ist. Dass es bei einer Wiedereinführung der Meisterpflicht  aus ZDH-Sicht einen Bestandsschutz für diejenigen geben muss, die sich in der Zwischenzeit ohne Meisterbrief selbstständig gemacht haben, ist klar.

Klar ist auch, dass eine Neuregelung europafest und verfassungskonform sein muss. Deshalb haben wir zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Fragen prüfen.“

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks